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Andacht im Februar 2012

Schwestern: Maria und Martha

(Lk 10,38-42)

Zum Freundeskreis Jesu gehörten auch die Schwestern Martha und Maria. In ihrem Haus kehrte er mehrmals ein, wie auch in der folgenden Geschichte, die der Evangelist Lukas erzählt: Als sie weiter zogen, kam er in ein Dorf. Eine Frau namens Martha nahm ihn auf. Bei ihr war ihre Schwester, die hieß Maria. Diese setzte sich zu Füßen des Herrn nieder und
hört seiner Rede zu. Martha aber war vom vielen Dienst völlig in Anspruch genommen.Sie trat herzu und sagte: Herr, kümmert es Dich nicht, dass
meine Schwester mich mit allem Dienst alleine lässt? Jetzt sag ihr, dass sie mit mir zusammen anfassen soll. Da antwortete ihr der Herr und sagte: Martha, Martha, du sorgst dich und machst Unruhe um viele Dinge. Eins aber ist nötig. Maria hat das gute Teil gewählt, das wird man ihr nicht
wegnehmen.

Wie es wohl in Martha gearbeitet und gegrummelt hat. All die ärgerlichen Gedanken, die langsam in ihr hochkochen und den Hals immer dicker machen:
„Die sitzt da entspannt bei Jesus, als gäbe es nichts zu tun. Was denkt die sich eigentlich dabei?
Wer hat ihn eingeladen? Ich.
Wer wollte schon immer mal mit ihm reden? Ich.
Wer wird am Ende nichts von dem gemeinsamen Abend gehabt haben?
Ich.“
Und als Martha sich schließlich beschweren geht, da nimmt Jesus seine
faule Zuhörerin Maria auch noch in Schutz.

Diese Geschichte gibt uns Fragen auf. Wieso darf Maria es sich bei Jesus einfach gut gehen lassen, wo es doch so viel zu tun gibt? Was ist los mit Jesus? Er, der sonst die tätige Nächstenliebe fordert, sagt jetzt das Gegenteil? Ein Rätsel!

Der Schlüssel steckt in der Geschichte selbst: Martha hat Jesus in ihrem Haus aufgenommen. Doch was macht sie aus der Begegnung? Offensichtlich geht sie ganz in den Gastgeberpflichten auf. Im biblischen Text heißt es genauer: Sie war von ihrem Dienst als Gastgeberin völlig überlastet.

„Martha“, sagt Jesus, „du machst Dir um vieles Arbeit und Mühe“. Ja, das ist Marthas Problem: Sie will ganz viel leisten und findet da keine Grenze. Sie verpasst vor hektischer Bemühung den Moment, wo man sich einfach hinsetzt und das Beisammensein genießt. Marias gute Wahl, das ist die Entscheidung, alle Pflicht beiseite zu lassen. Das hat Maria ihrer Schwester hier voraus: Sie hat eine Priorität gesetzt. Sie ist „ganz Ohr“ für Jesus. Man mag ihr vorhalten, dass sie nichts für ihn tut. Aber immerhin, sie ist ganz bei ihm.

Damit können wir etwas anfangen, gerade wir Frauen: Handeln, arbeiten, helfen – ein wichtiger Teil des Lebens. Aber wir müssen auch die Grenze finden, damit Raum bleibt für den anderen Teil. Die Schwestern Maria und Martha verkörpern zwei Haltungen, die beide nötig sind, auch für den Glauben:
Ich handle und ich lasse zu.
Ich gebe und ich nehme.
Ich plane etwas und mir widerfährt etwas.
Christsein ist ganz wesentlich zu handeln und zu helfen. Aber wenn die einzige Frage ist: Wie kann ich alles schaffen, wie kann ich es immer noch perfekter machen? Dann verlieren wir uns in Hektik und sehen nicht mehr, was wichtig ist.


Wir alle brauchen Marthas Tatkraft. Aber genauso – vielleicht sogar noch mehr - brauchen wir eine gute Portion von Marias ruhigem Vertrauen und von ihrer schönen Pflichtvergessenheit: Dass es gut ist und gut sein darf, uns einfach mal hinzusetzen und nichts zu tun. – Weil wir das Wesentliche des Lebens nicht selbst machen können, sondern als Geschenk von Gott bekommen, so wie das Licht der Sonne an einem hellen Wintertag.

Und das ist die wichtige Frage, die uns diese Geschichte stellt: Kann ich das? Die Hände in den Schoß legen und mich von der Sonne bescheinen lassen? Mit anderen Worten: Lebe ich meine Marthaseite und meine Mariaseite?
Wie gut, wenn diese Schwestern in uns zu Freundinnen werden!

„Du sorgst Dich wegen unendlich vieler Dinge“, sagt Jesus auch zu uns, „aber wenn ich zu Dir komme, dann kannst Du das Sorgen unterbrechen. Sei einfach da, das ist genug.“

Gebet

Gott, Quelle allen Lebens,
auch wir finden oft nicht das rechte Maß zwischen
Arbeiten und Ruhen, Geben und Empfangen.
Und manchmal gibt es viel unausgesprochenen Neid und Groll,
anstatt, dass wir uns unsere Wünsche sagen und uns gegenseitig
stützen.
Wir bitten Dich, erleuchte uns mit der Klarheit deines Geistes und
hilf uns zu erkennen, was jeweils nötig ist.
Segne unser Miteinander in dieser Gruppe, segne im Leben jeder
Einzelnen von uns ihr Tun und ihr Lassen.
Gib uns von der Tatkraft Marthas und von der Selbstvergessenheit
der Maria, dass wir einander helfen und dabei den Blick für
das Wesentliche nicht verlieren. Amen.
Mit den Worten Jesu beten wir:
Vater unser …

Liedvorschläge

Herr, dein Wort, die edle Gabe, eg 198
Die güldene Sonne, eg 449, 1.6.8